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Neues von der S-Bahn

Läuft bei uns – Einstiegslotsen im Einsatz

Die S-Bahn ist bereits von Weitem zu erkennen. Brigitte wirft noch einmal einen prüfenden Blick auf ihren Plan, während sich ihre Kollegen auf die Positionen begeben. Sie nickt allen zu, dann fährt die S1 am Ostbahnhof ein. Nun heißt es für die Fahrgäste: schnell ein- und aussteigen. Denn die Haltezeit der Züge ist begrenzt. Mit wachsamen Augen beobachten Brigitte und ihre Kollegen die sich schließenden Türen. Brigitte ist die Koordinatorin der Einstiegslotsen. Gemeinsam mit ihren Kollegen unterstützt sie die Fahrgäste so, dass die S-Bahnen möglichst pünktlich weiterfahren können. Die Einstiegslotsen weisen die Fahrgäste zum Beispiel gezielt zu weniger frequentierten Bahnsteigbereichen, verteilen sie je nach Zuglänge am Bahnsteig und blockieren – wenn nötig – den Zustieg der S-Bahnen beim Türenschließen. Wir haben der „Multitaskerin“ Brigitte einen Vormittag lang bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Berufsbezeichnung Multitasker

Der Ostbahnhof, Gleis 1-4. Das ist der Arbeitsplatz von Brigitte Kühnel und ihren Teamkollegen. Dass zur reibungslosen Weiterfahrt der Züge für die Einstiegslotsen einiges mehr gehört, als nur aufmerksam an den Türen zu stehen und sie abzuriegeln, merken wir bei unserem Besuch schnell. Multitasking ist angesagt. Denn neben der Koordination informieren Brigitte und Co. die Fahrgäste auch bei Störungen, sind schon mal Helfer in Notfällen, spüren in Ausnahmefällen auch Fundsachen auf und sind auch sonst überall vertreten, wo Hilfe gebraucht wird.

Immer auf Zack, immer am Ball

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Brigitte bereits bei der Deutschen Bahn. Zuvor war sie im Verkauf tätig. Ihre Tätigkeit als Einstiegslotsin übt sie mit Leidenschaft und Herzblut aus: „Meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Vor allem schätze ich den täglichen Umgang mit Menschen und, dass ich ihnen helfen kann“, erzählt sie. Bis auf die Weihnachts- und Sommerferien ist Brigitte das ganze Jahr über bei Wind und Wetter mit ihrem Team im Einsatz. Die Truppe teilt sich in Frühschicht (6:30 Uhr bis 9:30 Uhr) und Spätschicht (15:30-18:30 Uhr) auf. So sind zu den Hauptverkehrszeiten permanent Einstiegslotsen an den Bahnhöfen Ostbahnhof, Marienplatz, Hauptbahnhof (tief) und Pasing unterwegs. Von ihren Kollegen in der Kanzel wird Brigitte über aktuelle Meldungen, Störungen oder Änderungen im Fahrplan informiert. Diese und andere Informationen gibt sie dann an ihre Mitarbeiter weiter. Ein Lotse mit Rampenschlüssel steht beispielsweise immer dort, wo Rollstuhlfahrer aus- und einsteigen. Die anderen Kollegen verteilen sich an den Treppenaufgängen.

Kein Tag ist wie der andere

Langeweile ist für Brigitte ein Fremdwort. Denn die kommt bei den ständig einfahrenden S-Bahnen und den vielen Situationen, in denen die Einstiegslotsen auf Zack sein müssen, nie auf. „Ich liebe die Herausforderung, die mein Beruf mit sich bringt. Da ist kein Tag wie der andere – Ich weiß nie, was mich an dem Arbeitstag erwartet“, sagt sie. Von orientierungslosen Touristen, die am Ostbahnhof herumirren und fragen, wie sie am besten zum Ostbahnhof kommen, bis zu plötzlichen Noteinsätzen, bei denen extrem schnell gehandelt werden muss, sei alles dabei. Diese täglichen Herausforderungen schafft Brigitte nur aus einem Grund, „weil ich von Anfang an so ein tolles Team hatte“, sagt sie und blickt ihren Kollegen lächelnd an. Insgesamt koordiniert sie neun Mitarbeiter und einen Azubi. Ihnen immer auf Augenhöhe zu begegnen, das ist Brigitte besonders wichtig.

Fliegende Koffer am Ostbahnhof

„Ortskenntnisse und vor allem die Gabe mit Menschen umgehen zu können“, das braucht es laut Brigitte, um ein guter Einstiegslotse zu sein. Sehbehinderte Fahrgäste begleitet sie zum Beispiel in den Zug und hilft ihnen bei der Sitzplatzsuche. Einem Berufsschüler, der gleich am ersten Schultag seinen Rucksack verloren hat, begleitete sie so lange, bis er ihn wiederfand. Sogar beim Tragen von schwerem Gepäck, Fahrrädern oder Kinderwägen würden Brigitte und ihre Kollegen den Fahrgästen gerne helfen. „Nur leider ist das aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich“, erklärt die Teamchefin. „Einen Fahrgast haben wir mal erlebt, der hatte für das Gepäckproblem eine ganz pragmatische Lösung. Er hat einfach alle seine Koffer die Treppe runtergeworfen, statt sie zu tragen.“ Brigitte lacht. Wenn man jeden Tag mit vielen Menschen zu tun hat, erlebt man halt so einiges …

Das Team mit den gelben Westen

Ob Brigitte noch den ein oder anderen Fahrgasttipp auf Lager hat, wollen wir wissen. „Das hat sicher jeder schon einmal gehört, aber es machen leider die wenigsten. Dabei ist das so wichtig, damit alle schnell von A nach B kommen: Bitte immer an allen Türen zusteigen, nicht dort, wo es sich eh schon ballt! Es gibt 30-köpfige Schulklassen, die versuchen, alle gleichzeitig durch eine Tür zu kommen.“ Damit es trotzdem sicher bleibt und möglichst zügig voran geht, helfen in solchen Momenten Brigitte und ihr Team in den gelben Westen. Wenn Brigitte von ihrer Arbeit spricht, strahlt sie und ist voll bei der Sache. Die Nähe zu den Fahrgästen, das Arbeiten an der frischen Luft und die gute Stimmung im Team machen ihren Beruf für sie besonders, sagt sie. Während wir „Servus“ sagen und das Gleis 1 am Ostbahnhof verlassen, steht Brigitte schon wieder bei ihrem Team und koordiniert den nächsten Einsatz. Läuft bei den Lotsen!