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Betrieb & Technik

Ordentlich herausgeputzt! – Die Innenreinigung einer S-Bahn

Wer Gäste empfängt, der putzt meist nicht nur sich selbst heraus, sondern auch seine Wohnung. Schließlich sollen sich die Gäste bei einem zuhause ja auch pudelwohl fühlen! Unseren S-Bahnen geht‘s da nicht anders. Sie empfangen an Werktagen fast eine Millionen Gäste, und keiner von denen zieht sich logischerweise an der Tür die Schuhe aus. Neben dem ganzen Staub und Schmutz sammeln sich täglich in allen S-Bahnen zusammen etwa eine Tonne Müll an – das Gewicht eines Kleinwagens. Puh, das alles sauber zu bekommen, ist ein ganz schöner Akt, oder?! Weil unser Leser Dominik gefragt hat, wurden wir neulich mal von einer S-Bahn in ihre Garage – dem Werk Steinhausen hinter dem Ostbahnhof – eingeladen. Und dabei hat sie uns erklärt, wie sie es schafft, ihre Fahrgäste stets gepflegt und ordentlich zu empfangen.

Kleine Kehrwoche alle drei Tage

Der erste Eindruck zählt. Damit der gleich für alle meine Fahrgäste stimmt, bekomme ich etwa alle drei Tage eine Unterhaltsreinigung. Dafür fahre ich nach der harten Arbeit in eines der 28 Reinigungsdepots und bekomme eine Behandlung von wahren Meistern ihres Fachs. Die führen etwa 1.000 Reinigungsvorgänge pro Tag durch. All diese geputzten S-Bahnen in eine Reihe, das würde eine Strecke von 70 km ergeben. Das müsst ihr euch mal vorstellen! Im S-Bahn Werk Steinhausen gibt es spezielle technische Anlagen für die Reinigung, quasi für die Deluxe-Behandlung, die wir Bahnen besonders lieben. Hier heißt es: Ab aufs Reinigungsgleis und einfach nur genießen, wie sich die acht Reinigungsmitarbeiter nun meinen etwa 70 Metern widmen – und zwar intensiv, ganze zwanzig Minuten lang. Inklusive Führerstand.

Wie ein wuseliger Ameisenhaufen

Damit hier aus Versehen kein wichtiger Knopf gedrückt wird, habe ich übrigens eine Art „Ruhemodus“ für den Säuberungsvorgang. Während der Reinigung sieht es in mir aus, wie in einem wuseligen Ameisenhaufen. Aber auch hier gilt: Das hat alles System. Jeder der Reinigungsprofis hat seine spezielle Aufgabe und arbeitet nach einem strikten Zeitplan, damit auch alle meine S-Bahn Kollegen an die Reihe kommen. Die Mitarbeiter entfernen Müll und Verschmutzungen, der Boden, alle Glasscheiben und Oberflächen werden gewischt, und alle Sitze gebürstet.

Frühjahrsputz einmal im Monat

Damit ich auch beim zweiten Eindruck brilliere, bekomme ich alle 30 Tage einen zweistündigen Großputz. Acht „Zugkosmetiker“ waschen, wischen und polieren intensiv jeden Quadratzentimeter auf Hochglanz. Nicht nur die kompletten Oberflächen, wie die Decken meiner Abteile oder die Unterseite meiner Sitze, werden von gereinigt, sondern auch die Sitzbezüge. Damit sich meine Fahrgäste ganz entspannt auf die Polster setzen können, bekommen meine Sitze mit einem speziellen Reiniger die feuchte Tiefensäuberung und zusätzlich alle zwei Monate eine intensive Spezialbehandlung.

Wohlige Sonderbehandlungen

Und weil täglich so viele Füße auf meinem Boden herumlaufen, erhält der eine wohlige Sonderbehandlung. Zunächst wird feucht benetzt und dann massiert ihn eine kräftige Bodenpflegemaschine. Das fühlt sich vielleicht gut an, sag ich euch! Dann noch ein glänzendes Finish und ich erstrahle in neuem Glanz. Ich weiß ja nicht wie ihr das seht, aber ich finde: Danach sehe ich locker ein paar Jahre jünger aus. Und weil die Reinigungsmitarbeiter nichts dem Zufall überlassen, gibt’s am Ende noch die Qualitätskontrolle.

Weniger ist mehr

Um mich richtig herauszuputzen, braucht es sicher viel außergewöhnliches Equipment, werdet ihr jetzt denken. Nichts da! Lappen, Schwämme, Bürsten, Wischmopp – nichts anderes ist die Basis der Super-Säuberung. Extreme Chemiekeulen gibt‘s nicht. Alle Putzmittel, die die Kollegen von der Reinigung brauchen, durchlaufen vorher einen internen Zulassungsprozess. Sie sind also optimal auf meine Oberflächen abgestimmt, müssen aber natürlich auch den strengen ökologischen Vorschriften genügen, keine Frage!

Viel Muskelkraft

Was es sonst unbedingt braucht: Viele Hände und noch mehr Muskelkraft. Obwohl bei Boden und Polstern auch immer mal wieder Maschinen ran müssen, werde ich zum großen Teil in reiner Handarbeit gepflegt. Zum Glück haben die Kollegen ein paar altbewährte Helferlein gegen die gefürchtetsten Verschmutzungen. Aufkleber, Kaugummi oder allerlei anderer Unrat, der da manchmal so aus euch Menschen rauskommt, sind ganz schön hartnäckig, kann ich euch sagen. Also vielleicht beim nächsten Mal an mich denken, wenn der Kaugummi den Geschmack verliert …

Wellness Deluxe, auch unterwegs

Und natürlich gibt es da noch die Wendereiniger an den Endhaltestellen und die Unterwegsreiniger, die sich ab den ganz frühen Morgenstunden bis zu den späten Abendstunden so tatkräftig um mein tadelloses Auftreten kümmern, wann immer ich unterwegs bin. Besonders gut zu tun haben die natürlich zu Oktoberfest-Zeiten, aber auch gerne am Wochenende in den frühen Morgenstunden, wenn feierwütige Fahrgäste mich mit dem heimischen Klosett verwechseln. Jaja, auch das kommt vor, was soll ich sagen?! Auch starke Schneefälle mag ich nicht – da kommt so viel Rollsplit und das garstige Salzwasser in meine Abteile. Das alles greift meinen liebevoll gepflegten Boden an. Worauf ich mich als eitle S-Bahn besonders freue? Dass wir immer schöner, moderner und sauberer werden.

Viele fleißige Helferlein

Seit 2013 wird das Reinigungsbudget für uns S-Bahnen stetig verdoppelt. Im April 2020 bekommt das Werk Steinhausen eine neue Reinigungsbühne, auf der ich gleichzeitig mit fünf meiner Kollegen herausgeputzt werden kann – und das mit der allerneuesten Technik. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie imposant ich danach glänze und dufte. Die bewundernden Blicke meiner Gäste sind mir da sicher. Also wenn ihr demnächst einsteigt und euch gefällt was ihr seht, dann lächelt doch einfach mal! Ich freu mich drüber. Und wenn doch mal jemand was übersehen hat, oder ein Fahrgast rücksichtslos seinen Müll liegen lassen hat, dann meldet euch einfach bei meinem mobilen Reinigungsteam What’s schmutzig"