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Big Mac Bestellungen an der „Häckerbritsch“ – Wiesnzeit aus Sicht der Lokführer

Lebkuchenherzen, bunte Ballons und farbenfrohe Dirndl – Das Oktoberfest bringt nicht nur mehr Farbe in unsere Stadt, sondern auch unfassbar viele Besucher. Während der 16 Tage sind die Wiesnzelte pickepacke voll, genauso wie die Bahnsteige und S-Bahnen. Für unsere Lokführer bedeutet das noch viel mehr Konzentrationsarbeit. Aber auch ganz schön viel Geschmunzel. Triebfahrzeugführer Christopher hat uns mal erzählt, wie sein Arbeitsalltag während der Wiesn aussieht. Und weshalb es da durchaus schon zu einer Big Mac Bestellung über die Sprechstelle gekommen ist.

Sicherheitsvorkehrungen auf der „Häckerbritsch“

„Is this the train to Häckerbritsch? We want to go to the October party.” Wenn Christopher solche und ähnliche Fragen hört, kann er sich das Lächeln nicht verkneifen. „Viele Besucher aus dem Ausland übersetzen einfach alles und zwar wortwörtlich“, erzählt er uns. Den Weg zur Hackerbrücke kennt Christopher natürlich in- und auswendig. Trotzdem: Vor allem während der Wiesn muss er sich hier besonders stark konzentrieren. Denn dieser Bahnsteig ist der Aus- und Einstiegspunkt der Wiesnbesucher, die sich dort mit der ein oder anderen Maß intus in großen Scharen tummeln. „Zu gewissen Stoßzeiten regeln wir aus Sicherheitsgründen die Geschwindigkeiten unserer Züge darum auch runter“, sagt der Lokführer. Sicherheit geht einfach vor.

Eine Herausforderung für alle Beteiligten

Auch sonst ist Sicherheit ein großes Thema. Um Überfüllungen, Gedränge und Unfallgefahren zu vermeiden, werden die Bahnsteige, wenn es nötig ist, kurzfristig gesperrt. „Die Fahrgäste werden erst dann auf den Bahnsteig gelassen, wenn ihre S-Bahn kommt“, erklärt Christopher. Nicht selten kommt es vor, dass Betrunkene querfeldein über die Gleise rennen, um ihre S-Bahn noch zu erwischen. „Das ist natürlich zum einen extrem gefährlich, zum anderen hat das aber auch zur Folge, dass erst einmal keine Züge fahren dürfen, bis die Gefahr gebannt ist.“ Das ist nicht nur für die anderen Fahrgäste ärgerlich, sondern auch für Lokführer wie Christopher, die die Leute gerne pünktlich ans Ziel bringen wollen.

Insidertipps vom S-Bahn Profi

Mit einigen Tricks wird der Weg zum Oktoberfest übrigens für die Fahrgäste viel leichter, verrät uns der Lokführer: „Am besten die Hackerbrücke meiden und lieber am Karlsplatz oder Hauptbahnhof aussteigen. Von dort geht ein Fußweg direkt zur Wiesn – ohne großes Gedränge und viel entspannter.“ Den größten Trubel gebe es erfahrungsgemäß gegen 17 Uhr. „Während der erste Besucherrutsch schon wieder auf dem Heimweg ist, machen sich die anderen nach der Arbeit erst auf den Weg.“ Das Ergebnis: Stau in beiden Richtungen. Nach Möglichkeit also lieber davor oder danach unterwegs sein.

Jeder kann helfen

Bei so viel Trubel sind Lokführer, wie Christopher, aber auch die Reisendenlenker für jeden Fahrgast dankbar, der mitdenkt. „Helft den orientierungslosen Touristen und passt zum Beispiel auf, dass die Lichtschranken an den Türen der S-Bahn frei bleiben“, bittet der Lokführer. Bei akuten Notfällen können Fahrgäste ebenfalls unterstützen: „Sprecht die Person an, fragt, wie es ihr geht. Ihr könnt uns immer über die Sprechstelle informieren, dann wissen wir, dass zum Beispiel ein Notarzteinsatz ansteht.“ Auch bei aggressiven und pöbelnden Fahrgästen bitte sofort dem Lokführer oder den Kollegen von der DB Sicherheit Bescheid geben. „Selber aber bitte Abstand halten, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten“, betont Christopher.

Hübscher Ballon = hohes Gefahrenpotenzial

Auch Dinge, von denen man es vielleicht nicht erwartet, können übrigens zur echten Gefahr werden: Heliumluftballons. „Bindet die zum Beispiel am Arm fest, denn wenn sie an die Oberleitungen kommen, kann es einen Kurzschluss geben. Und dann ist erst einmal die Stammstrecke lahmgelegt, was wiederum das ganze Liniennetz beeinflusst“, klärt der Lokführer auf. Metallbeschichtete Luftballons sind wegen der stromführenden Oberleitung sogar lebensgefährlich und daher in der Nähe der Züge überhaupt nicht erlaubt. Auch hier hat die Sicherheit des Fahrgastes oberstes Gebot. Wer Verschmutzungen bemerkt, kann jederzeit die What‘s Schmutzig-Crew per WhatsApp kontaktieren. So voll die S-Bahnen auch sind zur Festzeit, jeder könne letztlich seinen Teil zum entspannteren Transfer beitragen, findet Christopher: „Gegenseitiger Respekt und freundlich sein – nicht nur vom Lokführer zum Fahrgast, sondern auch die Fahrgäste untereinander. Das ist ganz wichtig. Schließlich sitzen wir ja alle im selben Zug.“

Oktoberfest: die Zeit der S-Bahn Anekdoten

Trotz der großen Herausforderungen freuen sich Christopher und seine Kollegen auf die Oktoberfestzeit. Sie fühlen sich als Mitgastgeber für das größte Volksfest der Welt und fahren in dieser Zeit Millionen von Besuchern in ihren Zügen durch München. Langweilig wird’s ihnen zu dieser Zeit nie. Vor allem die vielen lustigen Anekdoten bleiben lange im Gedächtnis: „Einmal hat ein angetrunkener Fahrgast zum Beispiel über unsere Sprechstelle im Fahrgastraum versucht einen Big Mac zu bestellen“, erinnert sich Christopher lachend. „Sowas vergisst man nicht so schnell“. Ein anderes Mal fuhr ein Fahrgast ganze fünf Stunden mit derselben S-Bahn, weil er jedes Mal wieder einschlief und an seinem Ausstieg vorbeifuhr. Was Christopher und Co. nach dieser Wiesn-Saison zu erzählen haben? Wir sind gespannt!