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Wie ein kleiner Ballon alles aufhält

Einmal nicht aufgepasst und schon haben wir den Salat … Genauer gesagt: den S-Bahn Salat. Was dem Laien als Dult-Spaß gilt, kann im ungünstigsten Fall noch einen ganz anderen Rummel auslösen. Die Rede ist von Luftballons. Leider kann die luftige Kindesfreude aus S-Bahn Perspektive ein ganz schöner Störenfried sein. Erst dieses Frühjahr, im März, hat eine solche Luftnummer für ziemliches Chaos gesorgt. Aber warum sind aluminiumbeschichtete Ballons im S-Bahn Bereich verboten? Und was passiert eigentlich, wenn so ein kleiner Luftikus einen ausgewachsenen Störfall auslöst? Wer bringt alles wieder ins Lot? Wir verraten’s euch!

Das Problem? Klein, aber oho!

Das Problem eines Ballons im Bahnhofsbereich ist schnell erklärt. Speziell die mit Helium gefüllten Ballons haben nicht nur die Eigenschaft, furchtbar gerne gen Himmel zu fliegen. Ihr Material ist meist auch mit leitenden Metallen beschichtet. Der aufmerksame Leser ahnt bereits jetzt, welch riskantes Kurzschlusspotenzial das mit sich bringt. Ein solcher Kurzschluss in einer Bahnoberleitung hat nicht nur einen fürchterlich lauten Knall zur Folge, sondern auch einen ganz schönen Rattenschwanz an Problemen. Der Kurzschluss vom März am Isartor hatte beispielsweise zur Folge, dass der Stromabnehmer des betroffenen Zuges zerstört wurde. Besonders ärgerlich, denn jeder Zug besitzt nur einen davon. Kurz: der Zug steht, nichts geht mehr.

Der Notfall? Es knallt!

Wenn ein solcher Notfall eintritt, wird zunächst die Leitstelle am Ostbahnhof informiert. Hier laufen alle Planungen zusammen. Die dort arbeitenden Disponenten, die sämtliche Fahrstrecken und Fahrzeuge organisieren, verschaffen sich einen Überblick über die Lage. Dazu müssen sie herausfinden, welche Züge betroffen sind, und in welche Richtung die übrigen betroffenen Züge die Strecke verlassen können. Bei dem Störfall im März beispielsweise, hatte der Kurzschluss am Isartor leider auch einen Zug an der Hackerbrücke in Mitleidenschaft gezogen. Zu allem Überfluss war die einzige Ausweichstrecke – über den Südring – durch einen defekten Güterzug blockiert. Eine von beiden Seiten blockierte Stammstrecke, ohne Ausweichmöglichkeit, fordert dann die volle Konzentration des Teams.

Der Masterplan? Immer parat!

Good news: auch für solch ein Worst-Case-Szenario sind die Mitarbeiter gewappnet. Es gibt nämlich vorbereitete Störfall-Programme, benannt mit Buchstaben. So weiß bei der typischen Kommunikation über Zugfunk oder SMS jeder am Zugbetrieb Beteiligte – vom Disponenten bis zum Lokführer –, was er zum Beispiel bei der Leitstellen-Ansage „Plan D“ zu tun hat, und welche Ausweichstrecke nun genommen wird. Um die missliche Lage zum Wohl der Fahrgäste so schnell wie möglich zu beheben, geben extrem viele Mitarbeiter ordentlich Gas. Beim kompletten Stammstrecken-Ausfall heißt das: rund 200 Fahrer pro Schicht, 60 Fahrdienstleiter, mindestens 5 Disponenten plus Schichtleiter in der Leitstelle. Hinzu kommen die Techniker, die sich um den Kurzschluss kümmern und, und, und.

Die Lösung? Gas geben!

Unter Hochdruck werden die Fahrgäste in den lahmgelegten Zügen aus ihrer misslichen Lage befreit. Denn leider bleiben die Züge in solchen Notfällen ja selten direkt am Bahnsteig stecken. Gleichzeitig informieren die Lokführer per Durchsagen über Ausweichmöglichkeiten und den Schienenersatzverkehr, organsiert durch die Leitstelle. Wenn das nicht im Zug passiert, dann am Bahnsteig und in den Online-Auskunftsmedien. Parallel fahren die Lokführer außerhalb der Stammstrecke ihre Züge über die im Störfallplan vorgegebenen Ausweichstrecken. Bis ihre eigentliche Strecke wieder freigegeben ist. Zum Glück war beim besagten Vorfall im März der betroffene Güterzug auf dem Südring verhältnismäßig schnell geborgen. Die beschädigte Oberleitung am Isartor konnten die Mitarbeiter mithilfe eines Turmtriebwagens auch zügig wieder in Gang bringen.

Die Bitte? Mitdenken!

Nach knapp drei Stunden fuhren die ersten Linien der Stammstrecke wieder. Bis das Isartor seine Rolle als Nadelöhr wieder vollständig los war, und alles seine gewohnte Fahrt nehmen konnte, waren 4,5 Stunden Arbeit unter Hochdruck notwendig – von mehreren hundert Menschen. Wer also in Zukunft auf dem Bahnsteig von einem netten Bahn-Mitarbeiter darauf hingewiesen wird, dass „Ballons hier verboten“ sind, der ist nicht etwa auf eine fiese Spaßbremse gestoßen. Sondern vielmehr auf jemanden, dem seine Fahrgäste am Herzen liegen. Denn wir wollen pünktlich sein. Für Euch.