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What the Sprechstelle?! – Wie der Kasten mit Knopf Leben retten kann

Gesehen haben wir ihn alle schon einmal: diesen kleinen Kasten mit Löchern und Knopf im Eingangsbereich der S-Bahn. Dürfen wir vorstellen? – Die sogenannte Sprechstelle! Wann darf man die überhaupt benutzen? Und wie funktioniert das? Solche Fragen schwirren einem im Kopf rum, meistens leider erst dann, wenn man drauf angewiesen ist. Darum sind wir neulich in eine S-Bahn gestiegen und haben uns von einer Expertin erklären lassen, wie das eigentlich so abläuft. Dabei haben wir gelernt: Die Sprechstelle ist für Fahrgäste vorgesehen, die Hilfe benötigen – im medizinischen Notfall, beim Fund eines Gepäckstücks und Co. Doch was passiert eigentlich genau, wenn man den Knopf an der Sprechstelle drückt? Schauen wir uns das doch mal an! Wir haben einen Fall nachgestellt, wie er in unseren Münchner S-Bahnen jeden Tag passieren könnte …

Reaktion in Sekundenschnelle

Ein junger Mann liegt bewusstlos am Boden. Während ein aufmerksamer Fahrgast Erste Hilfe leistet, wendet sich eine andere Frau an die Sprechstelle im Einstiegsbereich. Sie drückt den großen silbernen Knopf und das orangefarbene Lämpchen unter der Aufschrift „Warten“ leuchtet auf, die Sprechstelle klingelt jetzt im Führerstand an. Zeitgleich sitzt Triebfahrzeugführerin Alexandra im Führerstand und hört einen lauten Signalton. Sie weiß sofort, was das bedeutet und blickt auf den Bordcomputer. Dort blinkt bereits der Knopf mit der Aufschrift „Sprechanforderung“. Alexandra hat nun 10 Sekunden Zeit, um den Notruf entgegenzunehmen. Dann werden die Leitungen für potenzielle weitere Notrufe wieder freigestellt. „Wenn man als Fahrgast nach rund 10 Sekunden keine Antwort vom Lokführer bekommt, sollte man den Knopf noch einmal drücken“, erklärt uns Alexandra.

Auf die Farben achten
„Hallo, hier ist die Lokführerin. Was ist passiert?“ – So tönt es beim Fahrgast aus der Sprechstelle. Während Alexandra spricht, leuchtet bei dem helfenden Fahrgast an der Sprechstelle das „Hören"-Lämpchen rot. Was wichtig zu wissen ist: Die Leitung ist immer nur in eine Richtung offen. Das heißt: Wenn Alexandra spricht, kann sie in der Zeit den Fahrgast nicht hören und umgekehrt. Deshalb ist es wichtig, genau auf die leuchtenden Zeichen an der Sprechstelle zu achten. Sobald der grüne Knopf unter der Aufschrift „Sprechen“ aufleuchtet, kann der Fahrgast sprechen, sodass Lokführerin Alexandra ihn hört. Der Rat der Triebfahrzeugführerin: „Ruhig so nah wie möglich mit dem Mund an die Sprechstelle gehen, damit wir euch bei den ganzen Umgebungsgeräuschen deutlich hören können“. Auf Alexandras Bordcomputer wird auch immer die Türnummer und der Zugteil angezeigt, aus dem die Meldung kommt. Das hilft Triebfahrzeugführer und Noteinsatzteam später bei der Ortung.

Im Notfall zuerst den Lokführer kontaktieren

Alexandra und ihre Kollegen möchten vom Fahrgast dann genau wissen, welches Einsatzteam benötigt wird. „Brauchen wir einen Notarzt? Ist jemand gewalttätig? Muss die Polizei verständigt werden?“ Denn – und das ist wichtig – nicht der Fahrgast sollte die Polizei oder den Notarzt rufen, sondern immer der Lokführer. Und das hat auch gute Gründe, erklärt uns die Expertin: „Wenn in der S-Bahn etwas passiert, der Lokführer aber davon gar nichts weiß, fährt er ja ahnungslos weiter. Zudem hält die S-Bahn alle paar Minuten an einer anderen Haltestelle. Ruft ein Fahrgast eigenständig den Notruf, dann kann der ja gar nicht sagen, wo die S-Bahn zu deren Ankunftszeit sein wird. Der Lokführer kann solche Angaben aber machen.“

Durchdachte Stopps für schnelle Hilfe

Wenn der Lokführer eingeweiht ist, heißt es für den Fahrgast erst einmal ruhig bleiben und gegebenenfalls Erste Hilfe leisten. Das richtige Timing ist entscheidend. Deshalb wendet sich Lokführerin Alexandra nach Eingang des Notrufs immer sofort an den Fahrdienstleiter und gibt die Informationen weiter, die sie über die Sprechstelle erhalten hat. Der Fahrdienstleiter schließt sich mit der Notfallleitstelle von DB Netz kurz, die wiederum Bundespolizei, Feuerwehr, Sanitäter usw. kontaktiert, um zusammen eine Haltestelle festzulegen, die für die Rettungskräfte am schnellsten zu erreichen ist. Triebfahrzeugführerin Alexandra wird vom Fahrdienstleiter über die nächsten Schritte informiert. Da sie gerade mit der S7 Richtung Wolfratshausen unterwegs ist, soll Alexandra bis zur Endstation weiterfahren. Denn das Klinikum Wolfratshausen liegt in der Nähe der S-Bahn Haltestelle und ist für das Noteinsatzteam am schnellsten zu erreichen.

Durchsage mit Erleichterung

Alexandra befindet sich bereits kurz vor Wolfratshausen und sie weiß, dass der junge Mann gleich Hilfe bekommt. Dieses Wissen möchte sie natürlich mit dem aufmerksamen Fahrgast teilen, der die Hilfsaktion in Gang gesetzt hat. Da die Helferin nicht mehr in der Leitung ist, macht Alexandra eine Durchsage in der S-Bahn und bittet sie, erneut die Sprechstelle zu betätigen. Während die S-Bahn auf die Haltestelle zufährt und von Weitem schon die Einsatzkräfte am Bahnsteig zu sehen sind, ertönt in Alexandras Führerstand noch einmal das Piepen. „Danke für die schnelle Reaktion und Hilfe“, sagt die Lokführerin freundlich. „An der nächsten Station steht der Rettungswagen schon bereit.“