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Hinter den Kulissen

Freundlich, aber bestimmt – unterwegs mit den Fahrkartenprüfern

Geschäftiger Betrieb am Ostbahnhof: S-Bahnen fahren ein. Menschen steigen aus, eilen weiter. Andere steigen ein, lassen sich auf die Sitze sinken, atmen durch. Diese betriebsame Atmosphäre steht für einen Moment still, wenn der Prüftrupp von Heinz G. mit seinen zwei Kolleginnen auftaucht. „Guten Tag, bitte einmal die Fahrscheine vorzeigen!“, heißt es dann. Und manchen Fahrgästen – man hört es förmlich – rutscht das Herz in die Hose. Sogar einigen von denen, die eine gültige Fahrkarte haben. Jeder von uns kennt diesen Moment. Aber wie sich dieser Moment wohl auf der anderen Seite anfühlt? Wir sind einen Vormittag lang mit den Ticketprüfern der S-Bahn München mitgefahren. Und eines sei vorweggenommen: Wir haben viel erlebt.

„Der Hund hat mein Ticket gefressen“

Die heutige Schicht beginnt ruhig. Heinz erklärt, dass er nie unmittelbar mit dem Kontrollieren anfängt. Wichtig ist erstmal, sich einen Überblick zu verschaffen, wie viele Fahrgäste mitfahren. Mit den Jahren wächst die Menschenkenntnis. Doch wirklich vorhersagen lässt es sich natürlich nicht, wer nun eine gültige Fahrkarte hat, – oder wer anstelle eines gültigen Tickets mit einer kreativen Ausrede aufwartet. Von „Ich habe meinen Geldbeutel verloren“, bis „Der Hund hat das Ticket gefressen“ oder "Mein Mann/meine Frau hat mich vergessen" haben Heinz und seine Kolleginnen schon alles gehört. Wenn sie davon erzählen, können sie sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.

Unterwegs in Uniform

Am Ostbahnhof steigen Heinz und seine Kolleginnen Sue D. und Lisa M. in die S6 Richtung Tutzing ein. Sie grüßen den Lokführer. Der weiß jetzt, dass ein Prüftrupp mitfährt und achtet an den Haltestellen darauf, ob dieser eventuell aussteigen muss oder in einen anderen Zugteil umsteigen will. Heinz und seine Kolleginnen sind nicht in zivil, sie tragen Uniform: über dem hellblauen Hemd eine dunkelblaue Weste. Doch das wohl wichtigste Utensil, das sie am Körper tragen, ist das Prüfgerät. Mit diesem geben sie an, auf welcher Route sie unterwegs sind, scannen die Handy- oder Papiertickets, nehmen Fahrten ohne gültigen Fahrschein auf und stellen gegebenenfalls Fahrpreisnacherhebungen aus. Darüber hinaus sind die Kollegen übrigens immer ansprechbar, wenn Fahrgäste beispielsweise Auskünfte zu Baustellen brauchen oder sich einfach überhaupt nicht im Liniennetz auskennen und eine Routenempfehlung benötigen.

Niemals alleine, immer im Team

Durch den Dienstplan erfahren Heinz und seine Kolleginnen, welche Linie sie prüfen sollen und auf welchem Abschnitt. Heute ist das Team zu dritt unterwegs. Manche Schichten machen sie auch zu viert, oder zu zweit. Aber niemals alleine. Denn Fahrkartenprüfer sind auf ihre Teamkollegen angewiesen. Wenn es zu Problemen kommt, ist der jeweils andere sofort zur Stelle und kann helfen.

„Wollen sie mich heiraten?"

Wichtig sei es, ruhig und höflich mit den Fahrgästen zu kommunizieren, erklären sie uns. Denn wer ausgeglichen auf die Menschen zugeht, bekommt zumeist eine entspannte Reaktion zurück, so die Erfahrung der Kontrolleure. Immer wieder hören wir Heinz und seine Kolleginnen „Danke“ und „Bitte“ sagen. Oder „Das ist halb so wild“ bei vergessenen, personalisierten Fahrkarten, die innerhalb von 14 Tagen im Kundencenter nachgereicht werden können. Und eine Portion Humor schadet auch nicht: Anstelle eines gültigen Tickets hat Sue bereits zweimal einen Heiratsantrag bekommen, erzählt sie uns. Wie das ausgegangen ist? Die Fahrgäste mussten leider ohne zukünftige Braut, aber mit einem erhöhten Beförderungsentgelt von 60 Euro von dannen ziehen. Vielleicht ein bisschen enttäuscht, böse waren sie aber nicht. Denn leider hilft Kreativität hier nicht weiter, sondern eben nur ein gültiger Fahrschein.

Präsenz für Solidarität

Wenn ein Fahrgast ohne Ticket handgreiflich wird – auch das kommt manchmal leider vor –, wird die Bundespolizei, zuständig für den Bahnverkehr, eingeschaltet. „Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn einfach jeder ein gültiges Ticket hat“, sagt Heinz. „Denn die zahlenden, ehrlichen Fahrgäste finanzieren das Fahren ohne gültigen Fahrschein der anderen ja leider irgendwie mit.“ Auch deshalb schätzen viele Fahrgäste die Arbeit der Kontrolleure. Allein ihre Präsenz führt dazu, dass mehr Leute ein Ticket kaufen und es damit für alle Fahrgäste fairer wird.

Von mürrisch bis heiter

An der nächsten Haltestelle steigt das Team in einen anderen Zugteil um. Konzentriert man sich auf die Gesichter der Leute, merkt man, dass einige kurz die Luft anhalten. Auch die, die kurz darauf trotzdem ihr Ticket vorzeigen können. Heinz bittet einen älteren Herrn, zu seiner Fahrkarte auch seinen Ausweis vorzuzeigen. Unwirsch fragt er: „warum?“. Ihm wird erklärt, dass seine Fahrkarte personalisiert sei und man dazu den Ausweis zeigen müsse, um die Namen abzugleichen. Etwas mürrisch kramt er ihn hervor. Heinz wirft einen Blick darauf und nickt freundlich. Im Weggehen sagt er: „Herzlichen Glückwunsch“. Der Mann hat heute Geburtstag und bleibt dann doch mit einem Lächeln zurück.