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Hinter den Kulissen

Mit Isabella, Elektronikerin für Betriebstechnik, auf Spurensuche

Ich bin Bella“, offen und freundlich strahlt uns Isabella an. Wir treffen sie an ihrem Arbeitsplatz, dem Werk Steinhausen in der Nähe des Ostbahnhofs, wo täglich S-Bahnen ein- und ausfahren. Um uns herum werden einige Züge repariert, es wird geschraubt und verladen. In dieser rauen Werkstattatmosphäre fällt die 28-jährige Bella mit ihren langen blonden Haaren tatsächlich ziemlich auf. Für Bella ist das nichts Neues. Seit sechs Jahren arbeitet sie hier als Elektronikerin für Betriebstechnik und ist damit eine von einer Handvoll Frauen unter circa 200 männlichen Technikern. Wie das für Bella eigentlich so ist und warum sie sich während der Arbeit oft wie eine Detektivin fühlt, hat sie uns im Interview verraten.

Der Einstieg – das Praktikum hat überzeugt

Dass Bella mal die Motoren von S-Bahnen untersucht, hätte sie nie erwartet. Denn einen Handwerksberuf hatte sie für sich eigentlich nicht geplant. So beginnt sie nach der Schule eine Ausbildung zur Patentanwaltsfachgehilfin. Schnell wird ihr klar: den ganzen Tag von 9:00 bis 17:00 Uhr am PC im Büro sitzen, das ist nichts! Damit ist sie zwar um eine wichtige Erkenntnis reicher, aber auch um einen Ausbildungsplatz ärmer. Ein Freund, der bei der S-Bahn München arbeitet, rät ihr, sich dort für einen Praktikumsplatz als Elektronikerin zu bewerben. Bellas anfängliche Zweifel weichen schnell, sie bleibt sogar länger und macht eine Ausbildung zur Elektronikerin. Heute, sechs Jahre später, ist sie noch immer bei der S-Bahn München. Auf die Frage, was der Grund dafür ist, muss Bella nicht lang überlegen: „Die gute Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit durch das 3-Schicht-Modell, denn so hat man auch mal unter der Woche freie Zeit. Und natürlich das nette Miteinander unter den Kollegen“. Damit spricht sie gleich die naheliegende Frage an: Wie fühlt sich das als Frau eigentlich an, in so einer klassischen Männerdomäne?

Als Henne im Korb: Harmonie pur

Wie arbeitet es sich fast nur unter Männern? „Sehr gut“, sagt Bella mit einem zufriedenen Lächeln. Von Anfang an sei sie wirklich positiv aufgenommen worden. „Es gibt einen guten Zusammenhalt unter den Kollegen. Wenn es drauf ankommt, dann setzt man sich auch für den anderen ein und unterstützt einander.“ Neben den männlichen Kollegen hat Bella auch noch eine Kollegin, ihre „Lieblingskollegin“, wie sie sagt. Wenn es sich einrichten lässt, arbeiten die zwei Frauen gerne in derselben Schicht. „Klar, es gibt halt Themen, die man dann einfach lieber bespricht“, sagt Bella und grinst. Bei den anderen Schichten habe sie aber auch immer ganz liebe Kollegen, mit denen sie sich richtig gut versteht, fügt die 28-Jährige hinzu.

Elektroniker-Alltag: alles bleibt anders

Wie so ein „normaler Arbeitsalltag“ als Elektroniker bei der S-Bahn München aussieht? Lächelnd erklärt Bella: „Immer anders! Und das ist auch das Schöne daran.“ Neben den Wartungen und Revisionen muss Bella häufig mal defekte Teile reparieren. „Und dafür muss ich auf Fehlersuche gehen.“ Diese Aussage bringt sie gleich zum Strahlen. Uns wird klar: Hier ist offensichtlich noch ein weiterer Grund verborgen, weshalb Bella ihren Job so liebt. „Dann geht nämlich die Detektivarbeit los.“ Und die Suche nach dem betroffenen Teil könne ganz schön kniffelig werden. Schließlich seien S-Bahnen keine Dampfloks. „Elektronik findet sich hier überall – angefangen bei den Bremsen über den Antriebsmotor bis hin zu den Türen oder der Klimatechnik“, erklärt die junge Expertin.

Elektronik – fast noch pures Handwerk

Natürlich macht die Digitalisierung auch vor den S-Bahnen keinen Halt. Noch stehen im Werk die S-Bahnen aller Baureihen – vom Klassiker-Modell ET 420 aus dem Jahr 1997, dessen technischer Großvater schon 1972 durch München gefahren ist, bis zu den modernisierten Modellen mit der erhöhten Kapazität und der noch komfortableren Sitzgestaltung. Meist tüftelt Bella im Team mit einem anderen Kollegen am Klassiker-Modell ET 420 herum, kennt sich aber auch mit den modernsten Fahrzeugen bestens aus. Auch digitale Arbeiten wie ein Software-Update gehören mittlerweile zu den Standard-Handgriffen der Elektroniker und werden im Zuge der Modernisierung immer weiter zunehmen. Der große Rest sei analoges Handwerk.

Die Frau hat’s drauf!

„Angst, sich schmutzig zu machen, darf man als Elektroniker nicht haben.“ Wenn Bella auf der Fährte des Fehlers ist, dann ist der Schmutz das Letzte, das sie interessiert. Akribisch untersucht die Elektronikerin für Betriebstechnik die für einen Laien wild aussehenden Schaltpläne, also die Baupläne für die Elektronik, kriecht unter die S-Bahnen und taucht von Kopf bis Fuß dreckig wieder auf. Denn dieses schöne Gefühl am Feierabend möchte Bella einfach nicht missen, sagt sie: „Hier aus dem Werk zu spazieren und zu wissen, dass ich diesen einen kniffeligen Fehler nach 'ner langen Spurensuche endlich gefunden und behoben habe und die S-Bahn wieder störungsfrei für unsere Fahrgäste fahren kann.“