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Hinter den Kulissen

Von Kindheitsträumen und Zusammenhalt - Die Ausbildung zum Lokführer

Lukas sitzt im Klassenraum, gerade fliegt ein rotes Wollknäuel durch die Luft. Jeder seiner Klassenkameraden hält ein Ende des roten Faden fest. Nach und nach bildet sich ein Netz zwischen ihnen. Ein rotes Netz – ein bisschen ähnelt es dem S-Bahn Liniennetz. Es ist genauso rot wie die Züge, in denen er und seine Klassenkameraden in drei Jahren durch München fahren werden. Lukas hat vor ein paar Tagen seine Ausbildung zum Triebfahrzeugführer bei der S-Bahn München begonnen. Wie diese Ausbildung aussieht und wie sich Lukas am Fahrsimulator so macht? Wir haben ihn im Ausbildungszentrum der S-Bahn München besucht und nachgehakt.

Ein Netz für das Zusammengehörigkeitsgefühl

Es ist erstaunlich ruhig, als wir den Schulungsraum des 1. Lehrjahres betreten. „Am Anfang sind alle noch ein wenig schüchtern, das wird sich aber schon bald legen“, sagt Monika und lächelt. Sie ist die Nachwuchskräfte-Gesamtkoordinatorin bei der S-Bahn München. Sie wird die jungen Leute die gesamte Ausbildungszeit über begleiten und unterstützen. „Unser Ziel ist es, jeden unserer Azubis am Ende zu übernehmen, deshalb möchten wir ihnen natürlich auch die qualitativ beste Ausbildung geben“, sagt Monika und blickt sich im Schulungsraum um. Ihr Kollege, Ausbildungsfachkoordinator Jörg, führt derweil das Kennenlernspiel mit dem roten Wollknäuel weiter. Er möchte das Zusammengehörigkeitsgefühl von Beginn an fördern, denn diese Gruppe junger Leute wird die nächsten drei Ausbildungsjahre zusammen verbringen.

Das erste Lehrjahr

„Bevor wir mit einem der S-Bahn Züge fahren dürfen, müssen wir Azubis zuerst einmal alle Zeichen und Signale kennen“, erklärt Richard, der das 1. Jahr bereits abgeschlossen hat und zeigt auf eine Tafel mit Symbolen. Zusammen mit theoretischen Modulen stehen im 1. Lehrjahr auch technische Grundlagen und ein geschäftsübergreifender Rundumblick im Vordergrund. „Unsere Azubis sollen einen Einblick in unterschiedlichste Bereiche wie zum Beispiel den Kontakt zum Kunden oder den Cargo-Güterverkehr bekommen, um das ganze Bahn-Spektrum kennenzulernen“, erklärt Monika. Insgesamt setzt sich die Triale-Ausbildung aus Betrieb, Berufsschule und DB Training (Bildungsdienstleister für Theorie) zusammen. Ehrgeiz wird belohnt: Wer in der Berufsschule einen Schnitt von 2,5 oder besser erreicht und gute Leistungen im Betrieb erbringt, der hat die Möglichkeit, seine Ausbildungszeit auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen.

Erstmal Reinschnuppern

Viele der jetzigen Azubis hatten zuvor schon einmal die Chance, einen Blick hinter die Kulissen der S-Bahn zu werfen – während eines Schülerpraktikums. Das Reinschnuppern hat Wirkung gezeigt, denn es hat viele zu ihrem Traumberuf Triebfahrzeugführer geführt. Auch Anreize wie das Weihnachtsgeld, ein Tablet und Fahrvergünstigungen sind dabei natürlich von Bedeutung. Monika möchte auch immer mehr junge, technikbegeisterte Frauen für die Ausbildung gewinnen, deshalb ist die S-Bahn jährlich als Partner beim Girls Day dabei. „Wir haben noch nicht viele Lokführerinnen, aber denen, die wir haben, macht ihre Ausbildung sehr viel Spaß“, erzählt sie. Reinschnuppern lohnt sich übrigens immer. Wer nach seinem Schulabschluss nicht direkt mit der Ausbildung starten möchte, der kann beim Chance Plus Programm mitmachen. Von November bis August können die jungen Erwachsenen hier erste Arbeitserfahrung sammeln und ihre Stärken und Fähigkeiten weiter ausbauen. „Wir möchten jedem eine Chance geben“, betont Monika, „deshalb machen wir bei diesem tollen Programm mit“. Wer da gut aufpasst, erfährt schon gleich den ein oder anderen Tipp für die Bewerbung.

Spaß kommt nie zu kurz

Während der Ausbildung gibt es für die Azubis Möglichkeiten, sich zusätzlich zu engagieren. Das große Highlight ist das Projekt „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt – gemeinsam für ein tolerantes und respektvolles Miteinander“, das jährlich von der DB organisiert wird. Jeder darf sich aus verschiedenen Themen, wie sozialem Engagement, kultureller Vielfalt oder kollegialem Miteinander, eines aussuchen und dazu ein passendes Projekt überlegen. Dieses wird dann in Berlin dem DB Vorstand vorgestellt. „Danach verbringen wir immer noch eine Woche mit den Azubis und lernen die Hauptstadt zusammen kennen. Das ist eines unserer Highlights und mit viel Spaß verbunden“, erzählt Monika.

Das Fahren ist das Allerschönste

Richard darf jetzt, im 2. Lehrjahr, zusammen mit einem Fahrtrainer mit den ET 423-Zügen auf der echten S-Bahn Strecke fahren. Wenn er vom Zugfahren berichtet, strahlt er unvermittelt. Für ihn, wie auch für seine Azubi-Kollegen, ist das Fahren das Allerschönste. Seine Liebe zur S-Bahn trägt auch der 17-jährige Lukas schon lange in sich: „Meine erste Zugfahrt war mit einer S-Bahn, da war's um mich geschehen“, erzählt er lächelnd und macht sich auf den Weg zum Simulator. Während Ausbildungsleiter Jörg das Programm mit der Ausbildungsstrecke lädt, nimmt Lukas Platz. Ein paar Bedienelemente kennt er bereits und kann erste Einstellungen vornehmen. Jörg nickt ihm zu, dann drückt Lukas den Fahr- und Bremshebel nach vorne, seine virtuelle Zugfahrt kann beginnen. Genauso wie seine spannenden Ausbildungsjahre bei der S-Bahn München.