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Rechts stehen, links gehen? – kleiner Rolltreppen-Knigge

Rechts stehen, links gehen – so lautet die oberste Rolltreppen-Regel. Oder etwa nicht? Gehört hat den Spruch jeder schon einmal. Ob er wirklich stimmt, wissen nur die Wenigsten. Fakt ist: Wenn sich alle auf den motorisierten Stufen richtig verhalten, können sie im Schnitt bis zu 30 Prozent mehr Menschen transportieren. So sagt es eine britische Untersuchung. Und wenn mehr Menschen tendenziell schneller über die Rolltreppe zum Bahnsteig kommen? Genau, dann läuft auch der S-Bahn Betrieb reibungsloser. Aber was zum Kuckuck heißt denn jetzt bitte „Rolltreppe richtig nutzen“?

Sympathische Männchen, viele Piktogramme, eine Message

Zunächst einmal heißt es nicht – und das ist wenig überraschend, passiert aber trotzdem immer wieder – einfach alle über den Haufen rennen, die im Weg sind. Na, man hat’s halt eilig, oder?! Klar, jeder hat’s mal eilig, aber ein bisschen Nächstenliebe darf auch auf der Rolltreppe mitfahren. Regel Nr. 1 lautet also: Be nice! Dem aufmerksamen Fahrgast sind aber sicher die Piktogramme mit den sympathischen Männchen darauf aufgefallen: eins links, ein anderes rechts. Aber warte mal, laufen tut keiner von denen, oder?! Ist denn dann wohl Stehen angesagt? Auf beiden Seiten?

Ihr fragt, wir antworten

Diese Frage hat sich auch unser Leser Bernhard gestellt, und hat uns kurzerhand eine Mail gesendet. Für uns eine super Gelegenheit, hier mal mit einem Mythos aufzuräumen. Denn wir von der S-Bahn München sind natürlich immer darauf bedacht, dass der Betrieb gut flutscht. Und wenn alle Fahrgäste mitmachen, dann funktioniert das umso besser. „Na und, was ist denn nun Sache?!“, werdet ihr euch jetzt fragen. Nun, die Antwort dürfte vor allem diejenigen überraschen, die sich regelmäßig über die Zeitgenossen aufregen, die gefühlt alle Zeit der Welt haben. Um einfach mal auf der linken Seite stehend genüsslich den Blick durch die Gegend schweifen zu lassen, wo man als Nächstkommender doch gerade schon sowieso so spät dran ist. Ihr Eiligen werdet es vielleicht nicht gerne hören, aber: Die entspannten Stehenbleiber sind im Recht.

Ein rollender Mythos

Die Regel „rechts stehen, links gehen“ ist tatsächlich ein Mythos des sozialverträglichen Stadtlebens. Stehen ist angesagt, und zwar auf beiden Seiten. Mathematiker, beauftragt von der britischen Transportbehörde, haben vor einigen Jahren sogar berechnet, dass sich mehr Leute zur gleichen Zeit befördern lassen, wenn sie links ebenso stehen wie rechts. So wird es seit vielen Jahren auch schon bei den Münchner Verkehrsbetrieben gehandhabt. Denn: Wenn die linke Seite freigelassen wird, kommt es rechts zu Staus. Die Kapazität der Treppe wird also nicht komplett genutzt. Für die Leute, die sich bisher auf die Überholspur gestürzt haben, geht es im Stehen zwar langsamer voran, dafür kommen aber alle gemeinsam schneller ans Ziel. 

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Euer Team vom S-Bahn München Online-Magazin

Safety first

Schneller ans Ziel kommen übrigens auch Hundehalter, die ihren Vierbeiner auf den Arm nehmen (sofern er nicht zu groß ist), sodass die Pfötchen nicht zwischen die Rolltreppen geraten. Wer mit Kids unterwegs ist, nimmt die am besten an die Hand. Mit Kinderwagen weicht ihr sicherheitshalber auf die Aufzüge aus, ebenso wie mit Gepäckwagen oder Fahrrädern. Man sollte nämlich nicht davon ausgehen, dass der Hintermann gut Koffer, Kinder oder Drahtesel fangen kann ...

Ausnahmen bestätigen die Regel

Natürlich ist das aber auch immer von der jeweiligen Situation abhängig und von den Mitmenschen, die mit einem unterwegs sind. Wenn man also mal wieder viel zu spät dran ist und die Mutti zuhause schon mit dem Kochlöffel auf den Topf schlägt, oder wenn man den eigenen Fitness-Rekord brechen will, dann kann man ja mal ganz nett und höflich fragen, ob der Vordermann kurz Platz macht. Oder man hält es einfach wie die Kerlchen auf dem Schild: Entspannt stehen bleiben und die Welt an sich vorbeiziehen lassen. Wo bitte bekommt man im hektischen Stadtdschungel solch eine einmalige Ausrede zum Müßiggang?