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Hinter den Kulissen

Wenn die S-Bahn nicht fahren kann – unterwegs mit Ersatzbusfahrer Vehbi

Wir stehen in Gauting und sind soeben aus der S-Bahn gestiegen. Wegen der Gleisarbeiten zwischen Gauting und Tutzing können wir dort gerade keine S-Bahn fahren. „Kein Problem“, sagt Vehbi und winkt uns in seinen Bus. „Dafür bin ich für euch da.“ Vehbi arbeitet als Busfahrer und ist als Disponent für den Schienenersatzverkehr in Tutzing zuständig. Dabei koordiniert er unter anderem alle Busse und Busfahrer, die für die Fahrgäste als Ersatzverkehr eingesetzt werden. Was da alles zu tun ist und weshalb Vehbi auch nach elf Jahren seine Arbeit noch liebt, hat er uns während der gemeinsamen Busfahrt verraten.

Alle für einen

Bis 13. Mai 2020 organisiert Vehbi noch den Schienenersatzverkehr in Tutzing. Angestellt ist er aber nicht bei der S-Bahn München, sondern beim Regionalverkehr Oberbayern (RVO) in Wolfratshausen. Dort fährt er normalerweise auch Bus. Die S-Bahn München und der RVO arbeiten, gerade zu Baustellenzeiten, eng zusammen. „Die Deutsche Bahn, oder in diesem Fall die S-Bahn München, fragt an und wir organisieren dann die benötigten Busse und Fahrer“, erklärt uns Vehbi, während wir durch das idyllische Andechs fahren. Die Busse kommen dabei teilweise vom RVO selbst, teilweise von externen Busunternehmen.

Organisation ist alles

Ein SEV (also „Schienenersatzverkehr“), wie momentan zwischen Gauting und Tutzing, wird weit im Voraus organisiert, da die Daten der Bauarbeiten meist viele Wochen vorher feststehen. Bei ungeplanten Sperrungen muss Vehbi hingegen schnell handeln: „Wir organisieren dann sofort einen Busfahrer, der gerade Zeit hat“, bestätigt der sympathische 51-Jährige. Reisendenlenker vor Ort unterstützen zudem an Stationen und zeigen den Fahrgästen den richtigen Weg. Wie beim normalen Schienenverkehr muss also auch beim Schienenersatzverkehr ein Rädchen ins andere greifen, damit alles funktioniert. Deshalb gilt: Organisation ist alles. Dafür haben Vehbi und seine Ersatzbusfahrer-Kollegen ein tolles Backoffice, in dem Organisationstalente, wie seine Kollegin Sandra, alles fest im Griff haben.

Natur statt Labor

Einen guten Job macht unser Vehbi. Das merken wir, während wir im Bus sitzen und er souverän durch die Städtchen im Münchner Umland fährt. Dabei hat er in seiner Heimat, dem Kosovo, etwas ganz anderes gelernt: Chemielaborant. Seit 1992 lebt er nun schon mit Frau und Kindern in Deutschland, hat damals eine Umschulung zum Busfahrer gemacht. Nur im Büro arbeiten kann sich Vehbi so gar nicht mehr vorstellen. „Ich brauche die Natur, das unterwegs sein, den Kontakt zu den Fahrgästen und die Abwechslung. Das macht mir viel mehr Spaß.“ Sein Erfolgsrezept: „Ich begegne Fahrgästen immer auf Augenhöhe“. Und so kommt es, dass sowohl Schüler als auch ältere Generationen immer wieder gerne auch einen Plausch mit ihrem Busfahrer Vehbi halten.

Postkartenmotive beim Blick aus dem Fenster

Das können wir beim Blick aus dem Busfenster bestätigen – Postkartenmotive, die wir bei einer normalen Fahrt mit der S-Bahn wohl nicht gesehen hätten. Schlicht deswegen, weil sie einfach nicht durch all diese idyllischen Ortschaften fährt. Als wir in Tutzing aussteigen, hätten wir nie gedacht, dass sich eine Fahrt im SEV-Bus wie ein Ausflug ins Grüne anfühlen kann. Kein Wunder also, dass Vehbi auch nach elf Jahren noch Busfahrer aus Leidenschaft ist: „Wenn du deine Arbeit magst, macht sie dir auch Spaß“, sagt er lächelnd, winkt uns noch einmal zu und fährt wieder los mit seinem Bus.